{"id":1670,"date":"1987-01-19T21:39:23","date_gmt":"1987-01-19T19:39:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bibliotheksurteile.de\/?p=1670"},"modified":"2011-08-25T11:32:06","modified_gmt":"2011-08-25T09:32:06","slug":"portokosten-fur-gebuhrenbescheide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bibliotheksurteile.de\/?p=1670","title":{"rendered":"Portokosten f\u00fcr Geb\u00fchrenbescheide"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gericht<\/strong>: Verwaltungsgericht K\u00f6ln<\/p>\n<p><strong>Entscheidungsdatum<\/strong>: 19.01.1987<\/p>\n<p><strong>Aktenzeichen<\/strong>: 10 K 1694\/86<\/p>\n<p><strong>Entscheidungsart<\/strong>: Urteil<\/p>\n<p><strong>eigenes Abstract:<\/strong> Ein Benutzer der Universit\u00e4ts- und Stadtbibliothek K\u00f6ln, der die Leihfrist f\u00fcr ein Buch um mehr als 30 Tage \u00fcberschritten hatte, klagt gegen einen Leistungsbescheid, in dem er zur Zahlung von 20,- DM S\u00e4umnisgeb\u00fchr und 0,80 DM Portokosten aufgefordert wurde. Das Gericht wies die Klage hinsichtlich der S\u00e4umnisgeb\u00fchren zur\u00fcck, da diese keine vorherige Mahnung voraussetzen. Die Portokosten f\u00fcr den Leistungsbescheid sind indes als allgemeine Verwaltungskosten von der Beh\u00f6rde selbst zu tragen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/strong><br \/>\nGem\u00e4\u00df \u00a7 78 Abs. 1 Nr. 2 der Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) i.V.m. \u00a7 5 Abs. 2 Satz 1 des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung der Verwaltungsgerichtsordnung (AG VwGO NW) vom 26. M\u00e4rz 1960 &#8211; GV NW S. 74 &#8211; sind Anfechtungsklagen gegen die Beh\u00f6rde zu richten, die den angefochtenen Verwaltungsakt erlassen hat. Das ist hier nicht der Direktor der Universit\u00e4ts- und Stadtbibliothek K., denn dieser ist keine in verwaltungsgerichtlichen Verfahren beteiligungsf\u00e4hige Beh\u00f6rde im Sinne der \u00a7\u00a761 Nr. 3 und 78 Abs. 1 Nr. 2 VwGO, sondern lediglich unselbst\u00e4ndiger Teil der jeweils f\u00fcr die Universit\u00e4t zu K. handelnden Beh\u00f6rden.<br \/>\nBeh\u00f6rden im Sinne des Verwaltungsprozessrechts sind n\u00e4mlich nur solche Stellen, die durch organisationsrechtliche Rechtss\u00e4tze gebildet, vom Wechsel ihrer Amtsinhaber unabh\u00e4ngig und nach der einschl\u00e4gigen Zust\u00e4ndigkeitsregelung berufen sind, unter eigenem Namen f\u00fcr den Staat oder einen anderen Tr\u00e4ger \u00f6ffentlicher Verwaltung durch Verwaltungsakt zu entscheiden (vgl. OVG NW, Urteil vom 9. August 1974 &#8211; XV A 389\/73 -, OVGE 30, 15 f.).<br \/>\nDiese Voraussetzungen sind nicht f\u00fcr den Direktor der Universit\u00e4ts- und Stadtbibliothek K. Gegeben, weil die Universit\u00e4ts- und Stadtbibliothek gem\u00e4\u00df \u00a7 33 Abs. 1 des Gesetzes \u00fcber die wissenschaftlichen Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen (WissHG) vom 20. November 1979 &#8211; GV NW S. 926 &#8211; eine zentrale Betriebseinheit der Universit\u00e4t bzw. gem\u00e4\u00df \u00a7 134 Abs. 1 WissHG i.V.m. \u00a7 38 Abs. 1 des Gesetzes \u00fcber die wissenschaftlichen Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfallen (HSchG) vom 7. April 1970 &#8211;  GV NW S. 254 &#8211; eine zentrale Einrichtung der Universit\u00e4t, mithin jedenfalls ein unselbst\u00e4ndiger Teil der Universit\u00e4t ist, der nicht berechtigt ist, nach au\u00dfen f\u00fcr den Rechtstr\u00e4ger Universit\u00e4t t\u00e4tig zu werden (vgl. Urteil der Kammer vom 29. M\u00e4rz 1983 &#8211; 10 K 5553\/82 -).<br \/>\nAls richtiger Klagegegner ist vielmehr der Rektor der Universit\u00e4t K. anzusehen, weil dieser von Gesetz wegen berechtigt ist, nach au\u00dfen f\u00fcr die Universit\u00e4t K. zu handeln (\u00a7 19 Abs. 1 WissHG). Die Regelung des \u00a7 65 Abs. 5 der Verfassung der Universit\u00e4t K., wonach der Kanzler der Universit\u00e4t in verm\u00f6gensrechtlicher Hinsicht rechtsgesch\u00e4ftlich und gerichtlich vertritt, war zwar bei Klageerhebung im M\u00e4rz 1986 noch g\u00fcltig; dementsprechend war damals der Kanzler richtiger Beklagter; diese Vorschrift, die \u00a7 19 Abs. 1 WissHG widerspricht, ist jedoch nach einer \u00dcbergangsfrist im Juni 1986 au\u00dfer Kraft getreten (\u00a7 133 Abs. 2 Satz 2 WissHG).<br \/>\nDer mit dem Bescheid vom 6. Januar 1986 geltend gemachte Geb\u00fchrenanspruch in H\u00f6he von DM 20,- findet seine Rechtsgrundlage in den Regelungen des Hochschulbibliotheksgeb\u00fchrengesetzes i.d.F. Der Bekanntmachung vom 26. Januar 1982 &#8211; GV NW S. 71 &#8211; Bei \u00dcberschreitung der Leihfrist werden Geb\u00fchren erhoben (\u00a7 2 Abs. 1 Nr. 2 Hochschulbibliotheksgeb\u00fchrengesetz), deren H\u00f6he sich nach der Anlage zu diesem Gesetz bemisst, da eine Geb\u00fchrenordnung bisher nicht erlassen worden ist (\u00a7 3 Hochschulbibliotheksgeb\u00fchrengesetz). Aus der Anlage zum Hochschulbibliotheksgeb\u00fchrengesetz enthaltenen Tabelle ergibt sich, dass f\u00fcr die H\u00f6he der Geb\u00fchr ausschlie\u00dflich die Dauer der \u00dcberschreitung der Leihfrist ma\u00dfgeblich ist. Bei einer Frist\u00fcberschreitung von mehr als 30 Tagen sind &#8211; wie im angefochtenen Leistungsbescheid gefordert &#8211; DM 20,- zu zahlen. Das Erfordernis einer Mahnung vor dem Ansteigen einer S\u00e4umnisgeb\u00fchr ist weder in der Anlage noch im Hochschulbibliotheksgeb\u00fchrengesetz vorgesehen. Auch ist eine Mahnung nach allgemeinen geb\u00fchrenrechtlichen Grunds\u00e4tzen nicht Voraussetzung f\u00fcr eine mit Zeitablauf erfolgende automatische Erh\u00f6hung der Geb\u00fchr. Der Kl\u00e4ger hatte auch die M\u00f6glichkeit, durch ein in der Bibliothek ausliegendes Informationsblatt davon Kenntnis zu nehmen, dass die S\u00e4umnisgeb\u00fchren ohne vorherige Mahnung ansteigen. Diese Regelung stellt auch keine unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige H\u00e4rte f\u00fcr den Entleiher dar. Nach den allgemeinen Vorschriften \u00fcber die Leihe obliegt es dem Entleiher, die entliehene Sache mit Ablauf der f\u00fcr die Leihe bestimmten Frist zur\u00fcckzugeben, ohne dass es einer Mahnung bed\u00fcrfte (\u00a7 604 Abs. 1 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuches &#8211; BGB -). Die im Hochschulbibliotheksgeb\u00fchrengesetz geregelte S\u00e4umnisgeb\u00fchr ist nicht zu beanstanden, insbesondere da in besonderen Ausnahmef\u00e4llen (z.B. Krankenhausaufenthalt des Entleihers) die M\u00f6glichkeit besteht, im Wege einer Ermessensentscheidung die Geb\u00fchr zu erm\u00e4\u00dfigen oder sie zu erlassen (\u00a7 6 Hochschulbibliotheksgeb\u00fchrengesetz).<br \/>\nDemgegen\u00fcber ist keine Rechtsgrundlage ersichtlich, auf die eine Verpflichtung des Kl\u00e4gers zur Erstattung der Auslagen f\u00fcr die \u00dcbersendung des Bescheides vom 6. Januar 1986 gest\u00fctzt werden k\u00f6nnte; diese kann insbesondere nicht in \u00a7 7 des Hochschulbibliotheksgeb\u00fchrengesetzes gesehen werden. Bei den Portokosten f\u00fcr die \u00dcbersendung von Bescheiden handelt es sich grunds\u00e4tzlich um Verwaltungskosten, die von der Beh\u00f6rde zu tragen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gericht: Verwaltungsgericht K\u00f6ln Entscheidungsdatum: 19.01.1987 Aktenzeichen: 10 K 1694\/86 Entscheidungsart: Urteil eigenes Abstract: Ein Benutzer der Universit\u00e4ts- und Stadtbibliothek K\u00f6ln, der die Leihfrist f\u00fcr ein Buch um mehr als 30 Tage \u00fcberschritten hatte, klagt gegen einen Leistungsbescheid, in dem er zur Zahlung von 20,- DM S\u00e4umnisgeb\u00fchr und 0,80 DM Portokosten aufgefordert wurde. 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