{"id":45,"date":"1951-05-31T21:59:20","date_gmt":"1951-05-31T19:59:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bibliotheksurteile.de\/?p=45"},"modified":"2011-08-25T12:27:58","modified_gmt":"2011-08-25T10:27:58","slug":"haftungsmasstab-des-entleihers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bibliotheksurteile.de\/?p=45","title":{"rendered":"Haftungsma\u00dfstab bei der Medienausleihe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gericht:<\/strong> Landgericht Aachen<\/p>\n<p><strong>Entscheidungsdatum:<\/strong> 31.05.1951<\/p>\n<p><strong>Aktenzeichen:<\/strong> 7 S 97\/51<\/p>\n<p><strong>Entscheidungsart:<\/strong> Urteil<\/p>\n<p><strong>eigenes Abstract: <\/strong>Strittig ist der Haftungsumfang des Kl\u00e4gers, der als Entleiher den Verlust eines Bibliotheksbuches weder vors\u00e4tzlich noch fahrl\u00e4ssig verschuldet hat. Nach dem Grundsatz von Treu und Glauben sah das Gericht im vorliegenden Fall einen erweiterten Haftungsma\u00dfstab, da das Leihverh\u00e4ltnis allein f\u00fcr den Entleiher einen Vorteil darstellte, so dass dieser auch bei zuf\u00e4lliger Vernichtung des entliehenen Mediums f\u00fcr den Verlust herangezogen werden kann.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/strong><br \/>\nGrunds\u00e4tzlich haftet der Schuldner einer Leistung nur f\u00fcr Vorsatz und Fahrl\u00e4ssigkeit (\u00a7\u00a7 276, 280 BGB). Eine abweichende Bestimmung f\u00fcr die Haftung des Entleihers enth\u00e4lt das Gesetz nicht. Dementsprechend lehnt auch die h. M. eine Haftung des Entleihers f\u00fcr Zufall ab, so dass also der Verleiher die Gefahr der unverschuldeten Vernichtung, Besch\u00e4digung oder Entwendung der Sache zu tragen hat (vgl. RGRK,, 9. Aufl., Anm. 1 an \u00a7 699, und Palandt, Anm. zu \u00a7 699 BGB). Zuzugeben ist dem Kl. allerdings, dass im t\u00e4glichen Leben an die Haftung des Entleihers teilweise h\u00f6here Anforderungen gestellt werden, dass zum Beispiel der Entleiher eines Buches sich regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr sittlich verpflichtet h\u00e4lt, den Verleiher bei unverschuldetem Verlust des Buches schadlos zu halten. Dementsprechend wird sowohl in der Rspr. wie in der Rechtslehre von einer Minderheit die Auffassung vertreten, dass der Entleiher unter Umst\u00e4nden gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7 167, 242 BGB auch dann auf Schadensersatz zu haften hat, wenn die entliehene Sache ohne sein Verschulden untergegangen oder verschlechtert ist (vgl. RGRK, 9. Aufl., Anm. 3 zu \u00a7 604 BGB; LG Saarbr\u00fccken in DJ 37, 614). Eine derartige Haftungserweiterung wird in Anwendung der Grunds\u00e4tze von Treu und Glauben daraus hergeleitet, dass es billig erscheint, wenn derjenige, der aus einem Leihverh\u00e4ltnis allein Vorteil gezogen hat, auch den Schaden tr\u00e4gt. Voraussetzung f\u00fcr eine solche Haftungserweiterung ist jedoch, dass das Leihverh\u00e4ltnis auch tats\u00e4chlich allein f\u00fcr den Entleiher einen Vorteil darstellt und dass es auch im \u00fcbrigen nach den Umst\u00e4nden des Einzelfalles der Billigkeit und der Verkehrssitte entspricht, wenn er f\u00fcr den durch Zufall oder h\u00f6here Gewalt verursachten Schaden einzustehen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gericht: Landgericht Aachen Entscheidungsdatum: 31.05.1951 Aktenzeichen: 7 S 97\/51 Entscheidungsart: Urteil eigenes Abstract: Strittig ist der Haftungsumfang des Kl\u00e4gers, der als Entleiher den Verlust eines Bibliotheksbuches weder vors\u00e4tzlich noch fahrl\u00e4ssig verschuldet hat. 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